Betriebsfeuerwehr E.G.O. Oberderdingen

An ihrem Stammsitz in Oberderdingen unterhält die Firma E.G.O. Blanc und Fischer & Co GmbH eine Betriebsfeuerwehr. Die Firma E.G.O. entwickelt, produziert und liefert als eines der weltweit führenden Unternehmen der Branche seit 1931 Hightech-Produkte, für Waschmaschinen, Herde, Wäschetrockner und viele andere Geräte im Haushalt oder in gewerblichen Anwendungen.

In Oberderdingen haben die Verantwortlichen schon früh den Nutzen einer Betriebsfeuerwehr erkannt, und so unterhält die Firma E.G.O. bereits seit dem Jahr 1980 eine Betriebsfeuerwehr, die in den letzten Jahren mit viel Engagement ausgebaut worden ist. Sie wurde damals durch den ehemaligen Kommandanten der Feuerwehr Bretten Robert Hartmann ins Leben gerufen. Er war damals als Leiter „Service Center“ beschäftigt, und somit auch für den Brandschutz im Unternehmen verantwortlich. Die Betriebsfeuerwehr bestand seinerzeit vereinzelt durch Angehörige Freiwilliger Feuerwehren sowie durch Mitarbeiter des Service Centers.

Als Einsatzmittel standen zu Beginn ein gebraucht erworbenes Tragkraftspritzenfahrzeug TSF auf Ford Taunus Transit (FK 1000/1250) Baujahr 1954 sowie ein Schlauchanhänger zur Verfügung. Alarmiert wurde die Betriebsfeuerwehr durch ein analoges, hausinternes Alarmierungssystem. In der Regel erfolgte die Alarmierung mit Ausnahme von Bagatelleinsätzen immer gemeinsam mit der örtlichen Feuerwehr.

Mitte der 90er Jahre war aufgrund der Verfügbarkeit der Mitarbeiter bzw. mangels Verfügbarkeit ausgebildeter Feuerwehrkameraden ein Fortbestehen der Betriebsfeuerwehr nur bedingt möglich, sodass diese lediglich als technische Einsatzgruppe aufrechterhalten wurde, und nur noch für kleinere Einsätze wie beispielsweise Ölspuren auf dem Werksgelände herangezogen wurde.

Im Jahre 2001 wurde dann von der Werkfeuerwehr der Firma Neff im benachbarten Bretten ein gebrauchtes Löschgruppenfahrzeug LF 8 auf Mercedes-Benz 408-Fahrgestell aus dem Jahr 1967 erworben, welches zuvor seinen Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr Tuttlingen versah. Das bis dahin in Oberderdingen stationierte TSF wurde in das Zweigwerk im benachbarten, acht Kilometer entfernten Sulzfeld verlegt.
Die eigentliche Geburtsstunde der Betriebsfeuerwehr wie sie heute besteht, kann auf das Jahr 2004 zurückgeführt werden. Nachdem die Fahrzeuge ins Alter gekommen waren, und die Betriebsfeuerwehr – so wie sie zu diesem Zeitpunkt bestand – wenig Sinn machte, gab es Überlegungen, wie es mit der Betriebsfeuerwehr weitergehen sollte. Aufgrund diverser Überlegungen entschied man sich für ein Fortbestehen der Betriebsfeuerwehr unter der Voraussetzung, dass die Betriebsfeuerwehr auch einer Feuerwehr im eigentlichen Sinne gerecht sein solle. Maßgeblicher Treiber hierfür war Jörg Mühleisen, Leiter Gebäudemanagement und Brandschutzbeauftragter der E.G.O.

Unter den Mitarbeitern wurde eine Offensive gestartet, um Aktive Mitglieder Freiwilliger Feuerwehren für die Mitgliedschaft in der Betriebsfeuerwehr zu gewinnen. Nachdem dieses Anliegen erfolgreich Früchte trug, und die nötige Manpower vorhanden war, ging es darum, die Betriebsfeuerwehr vernünftig auszustatten. Neben der Anschaffung aktueller Einsatzkleidung, Atemschutz und Funkgeräten wurde unter anderem im Jahr 2005 eine Hochdrucklöscheinrichtung angeschafft, welche zusammen mit einem 400 Liter fassenden Wassertank in das vorhandene LF 8 eingebaut wurde.

Organisatorisch wurde mit der Gemeinde Oberderdingen eine Vereinbarung geschlossen, die besagt, dass die Betriebsfeuerwehr der E.G.O. als vierte Abteilung der Gemeinde geführt wird, wodurch eine Alarmierung über die Leitstelle sowie die Nutzung des BOS-Funks ermöglicht wurde. Als Funkrufnamen erhielt das LF 8 fortan den Namen „Florian Oberderdingen 4/41-E.G.O.“ Ferner wurde die Vereinbarung getroffen, dass die Gemeinde bei Bedarf unbürokratisch auf Personal und Material der E.G.O.-Betriebsfeuerwehr zurückgreifen kann. Die analoge Alarmierung wurde sukzessive auf digitale Alarmierung umgestellt, und erfolgt über die integrierte Leitstelle ILS Karlsruhe.

Im Jahre 2007 wurde zudem ein Feuerlöschübungsgerät angeschafft. Neben der Ausbildung der Mitglieder der Betriebsfeuerwehr dient der Feuerlöschtrainer vor allem der Unterweisung aller Mitarbeiter im Umgang mit Feuerlöschern, welche ab diesem Zeitpunkt mehrmals jährlich durch die Betriebsfeuerwehr durchgeführt wird.

Im Jahre 2008 wurde dann über einen Händler ein gebrauchtes Löschgruppenfahrzeug LF 16 auf Mercedes-Benz 1222 AF-Fahrgestell Baujahr 1989, Aufbau Schlingmann/Rosenbauer erworben, welches seinen Dienst zuvor bei der Feuerwehr im nordischen Grünhof-Tesperhude versah.

Das LF 16 ist seither das Ersteinsatzfahrzeug der Betriebsfeuerwehr und wurde entsprechend den Bedürfnissen umgebaut. So wurde u.a. die im LF 8 verbaute Hochdrucklöscheinrichtung samt Tank und Einsatzgerät zur Brandbekämpfung neu auf dem LF16 verlastet. Das Fahrzeug erhielt den Funkrufnamen „Florian Oberderdingen 4/44-E.G.O.“ Mit Ausnahme des Wassertanks entspricht die Fahrzeugbeladung weitestgehend der eines genormten LF 16.

Das vorhandene LF 8 wurde zum Gerätewagen umgebaut und überwiegend mit Gerätschaften für den Umwelt- bzw. Gewässerschutz sowie Saugern, Tauchpumpen und Dichtkissen sowie der vorhandenen Tragkraftspritze und minimaler Ausstattung zur Brandbekämpfung beladen. Der Funkrufnamen lautet fortan „Florian Oberderdingen 4/59-E.G.O.“ In gleichem Zuge wurde die Einsatzgruppe in Sulzfeld aufgelöst und das vorhandene TSF an einen privaten Sammler im benachbarten Knittlingen übergeben.

Aufgrund dieser Aufrüstung wurde u.a. mit der örtlichen Feuerwehr die Vereinbarung getroffen, dass die Betriebsfeuerwehr werktags in der Zeit von 08.00 – 17.00 Uhr Einsätze auf dem Werksgelände bis zur Alarmstufe 3 eigenständig abarbeitet. Die Alarmierung der Feuerwehr Oberderdingen erfolgt während dieser Zeitspanne lediglich noch auf Anforderung. Zu Zeiten außerhalb dieses Zeitfensters erfolgt die Alarmierung parallel. Im Zuge dessen und der nun vorhandenen technischen Voraussetzungen wurde im gleichen Jahr der an die örtliche Feuerwehr überlassene Schaum-Wasser-Werfer-Anhänger wieder in den Bestand der Betriebsfeuerwehr übernommen.

Als Anerkennung für die Bereitschaft der Firma E.G.O. Mitarbeiter unentgeltlich für Einsätze der Gemeindefeuerwehren freizustellen, sowie der unbürokratischen Überlassung von Gerätschaften und Übungsobjekten wurde die E.G.O. im Jahr 2010 als „Partner der Feuerwehr“ ausgezeichnet.

Aufgrund des fortgeschrittenen Alters des Gerätewagens erfolgte im Jahr 2014 der Kauf eines gebrauchten LF 8 auf Mercedes-Benz 917 AF-Fahrgestell Baujahr 1989, Aufbau Ziegler, welches seinen Dienst zuvor bei der Feuerwehr im fränkischen Freudenberg-Wutschdorf verrichtete. Durch die nun vorhandenen Platz- und Gewichtsreserven auf diesem Fahrzeug wurde nicht nur die Beladung des bisherigen Gerätewagens verlastet, es wurde sukzessive auch wieder zum vollwertigen Löschgruppenfahrzeug aufgerüstet. Man entschied sich dennoch den Funkrufnamen „Florian Oberderdingen 4/59-E.G.O.“ beizubehalten, um flexibel auf Beladungsänderungen reagieren zu können. Der ausgemusterte Gerätewagen wurde an einen Händler verkauft.
Untergebracht ist die Betriebsfeuerwehr E.G.O. im eigenen Feuerwehrhaus, das sich in einer Werkshalle zentral auf dem Gelände im Werk 2 befindet. Im Feuerwehrhaus finden die beiden Einsatzfahrzeuge der Wehr, der Schaum-Wasser-Werfer-Anhänger, ein kleines Materiallager sowie die Umkleide ihren Platz.

Die Betriebsfeuerwehr besteht – Stand 2014 – aus 19 Kameraden, die allesamt ausgebildete Feuerwehrangehörige sind und parallel in freiwilligen Feuerwehren umliegender Gemeinden ihren Dienst tun. Der Ausbildungsstand ist entsprechend gut, sodass die Betriebsfeuerwehr über ausreichend Zug- und Gruppenführer, Atemschutzgeräteträger und Maschinisten verfügt.

Zu den Aufgaben bzw. Aktivitäten der Betriebsfeuerwehr zählen neben den Einsätzen u.a. Betriebsbegehungen, Ausbildungsdienste, Übungen mit der örtlichen Feuerwehr, Sicherheitswachdienste bei Veranstaltungen sowie die Durchführung von Feuerlöschtrainings. Neben den Aufgaben im vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz übernimmt die Betriebsfeuerwehr zudem den First-Responder-Dienst für die rund 1600 Mitarbeiter auf dem ca. 30 Hektar großen Werksgelände der Werke 1 und 2, der Hauptverwaltung und des Entwicklungs-und Technologiezentrums in Oberderdingen. Alle Gebäude werden von einer automatischen Brandmeldeanlage überwacht. Die E.G.O.-Betriebsfeuerwehr hat durchschnittlich rund 20 Einsätze im Jahr zu bewältigen.

 

Fotos: E.G.O.-Betriebsfeuerwehr, Feuerwehr Oberderdingen

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